Ambrosius
Anmeldedatum: 21.10.2005 Beiträge: 116 Wohnort: Wien
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Verfasst am: Mi Aug 16, 2006 3:54 pm Titel: Günter Grass und die Waffen-SS |
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Eigentlich habe ich dazu keine wirkliche Meinung, und ich zeige auch nicht mit dem Finger auf ihn. Er war damals blutjung, und ich halte es ohnehin für höchst fragwürdig was so Mode ist: frühere Generationen zu verurteilen.
Natürlich, je mehr ich darüber lese, über Grass lese (VON ihm habe ich nur wenig gelesen, ich fand ihn immer eher langweilig und eigentlich geistlos - Marcel Reich-Ranhicki nannte ihn sogar einmal "zu wenig intelligent für so lange Bücher wie die Rättin") desto mehr nervt sein so prononcierter Moralismus, den er an den Tag legte - mit derselben Verurteilungstendenz der Generationen vor ihm - und der Tatsache, daß er selber das verschwieg: Mitglied bei der Waffen-SS gewesen zu sein. Mit Verlaub: Das waren wirklich nicht die die sich viel mit Befehlszwang etc. entschuldigen können, auch wenn es in den letzten Kriegsmonaten angeblich schon zu einem weitgehenden Wegfall der ursprünglichen Kriterien kam. Die da waren: Austritt aus der Kirche, ideologische Klarheit, Unbelastetheit von jüdischem Blut etc.
Die Waffen-SS war bekannt, ja gefürchtet für ihren "engagierten" Kampfeswillen, der ihnen zu Anfang des Krieges mangels entsprechender taktischer Erfahrenheit katastrophalen Blutzoll abverlangte. Erst später wurden sie wirklich zu "Eliteeinheiten" Und sie waren auch jene Organisation, die KZ-Mannschaften etc. stellte.
Was mich aber nun etwas überrascht hat ist etwas, was ich noch nie so zusammengedacht habe, ein Bericht über die "Gruppe 47", aber überhaupt Schriftsteller im Radio HR2 - Der Tag aber macht es: Marcel Reich-Ranicki - Geheimdienstoffizier der Nazis in Polen; Walter Jens - NSdAP-Mitglied; usw. usf. Sie alle trafen sich 1947 um ... moralische Instanz zu spielen, eine neue, unbelastete Literatur zu gründen und sich zu Bekanntheit zu verhelfen. Die meisten von ihnen ... auf solch eine Art belastet - und die meisten waren aggressiv moralistisch.
Grass hätte auch tatsächlich jede Menge Möglichkeiten gehabt, diesen an sich verzeihlichen Lapsus (den man halt dann entsprechend bescheidentlich über die eigene Fehleranfälligkeit zur Kenntnis nehmen muß) bekanntzugeben. Ja manchmal war es mit der Brille seiner heutigen Offenbarung betrachtet sogar höchst seltsam, weil er sich sogar abgrenzte.
Dasselbe gilt für zahlreiche DDR-Schriftsteller, Leute wie Hermann Kant (langjähriger Vorsitzender des ostdeutschen Schriftstellerverbands) etc.
Ein Schelm, wer sich da etwas zur Motivation ihres Moralismus (gerade dann auch bei den 68er-Ereignissen, wo sie ) dächte.
Wie ich immer schon sage: Vorsicht vor ALLEN Moralisten!!! _________________ Eberhard Wagner |
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