Mann (43) sucht Frau

Auf der Suche nach der Frau fürs Leben veranstaltet Herbert Woskocki – gespielt von Eberhard Wagner – „Kennenlernabende“, an dem die Besucher und vor allem die Besucherinnen Gelegenheit haben, den charmanten und skurrilen Mitte Vierziger persönlich kennen zu lernen.

Ein „nett gestaltete“ Homepage (www.agmedia.at/mann43suchtfrau) begleitet seine Suche. „Das Wichtigste in einer Ehe ist, ob die Temperatur der Suppe passt, die täglich auf den Tisch kommt. Kein Bett – so schön das auch sein mag – kann eine Ehe retten.“ Anhand eines penibel entwickelten Kriterienkatalogs – der ihn vor (weiteren) Enttäuschungen schützen soll - präsentierte der Wiener ganz offen seine Forderungen an die neue Eine. In Anbetracht der grotesken Ansprüche bleibt jedoch offen, ob sich die Frau fürs Leben finden wird.

In einem Bahnhofscafé sitzend, erzählt er an den Abenden von seinem Leben; von seiner Zeit bei Semperit, seiner Karriere als Schriftsteller, von einem romantischen Häuschen am Land, einer Ziegenkäsebällchenerzeugung, von seinen acht Kindern und davon, wie seine langjährige Ehe gescheitert ist. Auf den ersten Blick erscheint alles ganz normal.

Doch in diesem Panoptikum einer Lebensgeschichte tauchen immer wieder Widersprüche auf, die ihn bzw. manches Fazit infrage stellen. Ohne den „Mann von heute“ vorzuführen oder in überstrapazierte „Mann-Frau-Schemata“ zu verfallen, bedient sich MANN (43) SUCHT FRAU! mancher Tabus und zeigt Widersprüche auf, die sich aus dem Wunsch einer guten Lebensgestaltung und dem faktischen Leben an sich ergeben. Da gibt es kein einfaches „Schwarz-Weiß-Denken“, keine Position für oder gegen den Feminismus, sondern das komplexe Leben selbst, das auch durch Ideologien nicht einfacher wird.

Der Wiener Schriftsteller und Schauspieler Eberhard Wagner bringt mit Herbert Woskocki eine Figur auf die Bühne, die an Helmut Qualtingers Herrn Karl erinnert. Sein Humor ist ein Grenzgang zwischen klassischem Kabarett und einer mit Spannung aufgeladenen Dramaturgie. Wagner spielt subtil mit Tragischem, Erschreckendem und gleichzeitig umwerfend Komischem. Eines geht ins Andere durch kaum bemerkbare Verschiebungen von Bedeutungen über. Der Zuseher findet sich am Ende plötzlich undüberraschend dort wieder, wo er nie annahm zu stehen.

Wenn Sie Kleidergröße 36, ein Auto und ein mindestens drei Jahre bestehendes Sparbuch haben, am Sonntag gerne und vor allem regelmäßig in die Kirche gehen und ein Ziegenkäsebällchen unter einer Minute drehen können ... dann zögern Sie nicht zu lange. Es könnte sonst zu spät sein!

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